Mac OS X im öffentlichen Netz

Eine Anleitung zum Schutz der eigenen Daten

December 23, 2013

Ein Computer im Internet befindet sich in einem virtuellen, öffentlichen Raum. Hier versuchen verschiedene Seiten Informationen jeglicher Art en masse zur beliebigen Aus- und Verwertung zu sammeln. Nicht jede*r möchte, dass alle Welt in ihrem digitalen Wohnzimmer ein- und ausgeht.

Im Angesicht der unaufhörlichen, sogar staatlicherseits willentlichen Beschnüffelns ist es für immer wichtiger, zu zeigen, dass Privatsphäre keine Zauberei ist und fast alle Mittel an Board aktueller Computer vorhanden sind. Ich habe mich hier auf das weit verbreitete Mac OSX konzentriert.

Es soll jedoch nicht der Eindruck entstehen, dass das eigene System danach unangreifbar ist. Vieles lässt sich vermeiden, die totale Sicherheit gibt es nicht.

Ein Mac ist sicherer als ein PC.

Dazu sage ich mal “jein”.
Technisch gesehen werden die Schwachstellen von Mac OSX weniger oft ausgenutzt als die von Microsoft Windows1. Das liegt zum großen Teil an der immer noch weiten Verbreitung von WinDOwS und ist zum anderen auch historisch, traditionell oder hacker-ethisch gesehen ein beliebteres Ziel.
Der Begriff PC – also Personal Computer – schließt jedoch alle Heimrechner ein, also jegliche Computer für Büro und zu Hause. Egal, ob tragbar oder nicht.
Genau hingeschaut ist die größte Schwachstelle doch nach wie vor der Mensch, der den Computer bedient. Und dabei kann an allen populären Plattformen viel falsch gemacht werden.
Hinter einem Mac wägen sich die meisten sicher und könnten genau dadurch unachtsam werden. Da alle Macs je Modell gleich gebaut sind, weisen wenn, dann auch alle der Serie die selben Sicherheitsmängel auf.

Daten sichern

Der wichtigste Punkt für die Sicherheit der eigenen Daten ist, sie vor Verlust zu schützen. Deshalb ist es wichtig, – egal, ob ich einen Computer, eine Kamera oder ein Smartphone benutze – regelmäßige Backups zu erstellen. Mit Time Machine besitzt Mac OSX die nötige Software. Time Machine kann nicht nur von sich aus regelmäßig Backups erstellen, es kann sie sogar verschlüsselt abspeichern sowie wieder einlesen und hat nebenbei eine Versionsverwaltung mit ebenso komfortabler Oberfläche. Es wird nur noch ein Datenträger mit genügend Speicherplatz (mindestens das Doppelte des bisher belegten Speichers) und dem richtigen Anschluss gebraucht, also eine externe Festplatte, SSD, ein NAS oder Server.

Standardeinstellungen ändern

Die Grundeinstellungen müssen unbedingt überprüft werden. Apple versucht es allen Benutzern möglichst leicht zu machen und geht dabei Kompromisse ein, die zu Lasten der Sicherheit und Privatsphäre gehen. Die Gratwanderung zwischen Komfort und Sicherheit ist in fast allen Bereichen der Datenverarbeitung vorhanden. Die nächsten Schritte können zu Lasten des Komforts gehen, werden Ihnen aber mehr Kontrolle ermöglichen.

Im Programm Systemeinstellungen, welches seit “Mountain Lion” unter /Applications zu finden ist, gibt es die Rubrik “Sicherheit”.
Falls das noch nicht geschehen ist, sollte dort ein Anmeldekennwort gesetzt werden (siehe sichere Passwörter).

Firewall starten

Ebenfalls unter “Sicherheit” finden Sie die Einstellungen zur Firewall. Diese sollte unbedingt aktiviert sein. Überprüfen Sie unter “Firewall-Optionen” auch die vorhanden Regeln – gegebenen Falls löschen Sie Regeln, denen Sie nicht vertrauen. Von jetzt an wird Mac OS X Sie fragen, ob ein Programm jetzt Daten ins Internet/Netzwerk senden darf oder nicht. Zudem sollte der “Tarnmodus” aktiviert sein.

Privatsphäre

Im nächsten Reiter sollten Sie allen Programmen prinzipiell alles verbieten – natürlich bis auf die Dienste, von denen Sie wissen, dass Sie sie brauchen.

Bildschirmschutz

Ein Bildschirmschoner hat bei modernen Displays nicht mehr die Hauptaufgabe, das Einbrennen von grafischen Elementen auf die Bildschirm-Matrix zu verhindern, vielmehr kann er den Computer vor unberechtigtem Gebrauch schützen. Es sollte eine kurze Aktivierungszeit (< 5 Minuten) gewählt werden und die Passwortabfrage aktiviert sein.
Zu dem ist ratsam, tragbare Computer zuzuklappen. Das Display kann mit der Kombination Umschalttaste + Steuerung + Auswurftaste ausgeschaltet und geschützt werden.

Tarnkappe

In den Systemeinstellungen unter “Freigaben” sollten an allen Diensten die Häkchen entfernt werden, bei denen Sie sich nicht sicher sind, dass Sie sie benötigen. Somit verschwinden viele Türen zu Ihrem Mac, die zwar nicht unbedingt offen stehen – sie sind ja mit einem Passwort geschützt – sie sind gar nicht mehr da. Es ist unerlässlich den “Gerätename” zu ändern. Im Ursprungszustand enthält er nämlich Ihren Benutzernamen und kann so in einem Netzwerk einfacher angegriffen werden.

Ohne Rechte arbeiten

Entziehen Sie sich die Rechte, auf systemrelevante Dateien zugreifen zu können. Alle Programme, die Sie benutzen, haben prinzipiell die selben Rechte wie Sie – können alles lesen und verändern, was Sie auch können.

Der einfachste Weg dagegen ist, ein zweites Nutzerkonto anzulegen. Eines bekommt die notwendigen Rechte, zur Administration des Computers, das andere nur die nötigsten, um den Computer bequem bedienen zu können. Die notwendigen Einstellungen finden Sie unter “Benutzer & Gruppen” in den Systemeinstellungen.
Keine Sorge – um wichtige, administrative Aufgaben erledigen zu können, müssen Sie trotzdem selten das Konto wechseln. Für die meisten Arbeiten erscheint ein Dialog, mit dem Sie sich als Administrator authentifizieren können.

Sichere Passwörter

Ein sicheres Passwort ist eines, das nur Sie kennen, das nur möglichst gar nicht erraten werden kann, weder von einem Programm noch einer Person geknackt werden kann und auf das Sie trotzdem zugreifen können, wenn Sie es brauchen. Es gibt verschiedene Strategien, sich sichere Passwörter auszudenken.

Mit dem Kennwortassistenten ist zum Erzeugen sicherer Passwörter ein kleines Tool an vielen Stellen erreichbar. Es befindet sich zum Beispiel in den “Benutzer & Gruppen”-Einstellungen in den Systemeinstellungen unter “Kennwort ändern”, in der Schlüsselbundverwaltung hinter dem kleinen “+” ganz unten, um neue Objekte zu erstellen und im AirPort-Dienstprogramm für die WLAN-Sicherheit.

Schlüsselbund

Das Programm Schlüsselbundverwaltung bietet sehr guten Komfort, die Passwörter an Board zu verwalten. Dabei werden alle Kennwörter in eine verschlüsselte Datenbank gespeichert. Wenn dies nicht explizit geändert wird, ist das Passwort für die Datenbank das Anmeldekennwort. So entsperrt sich der Schlüsselbund mit erfolgreicher Anmeldung.

Genau das sollten Sie ändern, damit andere nicht über einfache Umwege an Ihre gespeicherten Passwörter gelangen können. Im Programm auf der linken Seite den Schlüsselbund “Anmeldung”/“login” mit einem rechten Mausklick anwählen und im Menü “Kennwort ändern” wählen. Ab jetzt muss das neue Passwort des Schlüsselbundes eingegeben werden, obwohl Sie schon eingelockt sind. Unter “Einstellungen für…” können Sie eine Zeit bestimmen, nach der sich der Schlüsselbund schließt und das Kennwort erneut eingegeben werden muss.

Festplatte verschlüsseln

Ein Computer ist nicht nur vom Netz aus angreifbar. Gegen Diebstahl oder sonstigen, direkten, physischen Zugriff ist eine Verschlüsselung ratsam. Mit FileVault ist es sehr einfach die Festplatte/SSD an Board komplett2 zu verschlüsseln.
Apple selbst hat dazu eine verständliche Anleitung. Ich möchte dem noch hinzufügen, dass ich es nicht empfehle, den Wiederherstellungsschlüssel oder sonstige private Daten – insbesondere Passwörter – via iCloud bei Apple oder anderen prominenten Sharing-Diensten zu speichern!

Wenn der Computer läuft, ist natürlich auch die Festplatte für den User entschlüsselt. Der Rechner sollte dann ausgeschaltet sein, wenn er allein gelassen wird.

Firmware-Passwort setzen

Bein Starten eines Mac gibt es verschiedene Kurzbefehle, um beim Startvorgang administrative Aufgaben ausführen zu können. Gegen einen Missbrauch davon, hilft es, ein Passwort für die Firmware EFI zu setzen. Auch dazu hat Apple selbst eine passende Anleitung (und eine für ältere Macs).

Gast im Netzwerk

Nicht nur im Internet ist ein Computer angreifbar. Noch einfacher ist es in einem Netzwerk mit viel weniger Teilnehmer*innen, wie in einem Internetcafé, öffentlichen WLAN oder Firmennetzwerk. <ironie>Ganz anders verhält sich das im Netzwerk eines Hacker-Kongresses3.</ironie>

Ein Weg trotzdem relativ unbelauscht im WWW aktiv sein zu können, ist das Nutzen eines VPN. Das setzt zwei Dinge voraus, einen VPN-Server – also Endpunkt – und ein VPN-Client. Für letzteres wird vielerorts Tunnelblick empfohlen. So auch hier.

Als Endpunkt bietet sich entweder der Router zu Hause oder ein vertrauenswürdiger VPN-Dienst an.

Mikrofon und Kamera

Erst kürzlich ist bestätigt worden, dass es relativ einfach möglich ist, die Web-Kamera eines Macs zu aktivieren, ohne dass die Warn-LED an ist. Das heißt, Sie bekommen nichts davon mit. Dass dies technisch möglich ist, schien vielen bisher logisch, praktisch nachvollziehbar ist es jetzt.
Dagegen hilft ein einfacher Trick: Überkleben Sie Ihre Kamera dann, wenn Sie sie nicht brauchen.

Anders ist es beim Mikrofon. Da gibt es gleich gar keine Warn-LED. Zwar kann in den Einstellungen die Input-Quelle auf stumm gestellt werden, einen generellen Zugriff von Prozessen auf das Mikrofon kann trotzdem nicht hundertprozentig unterbunden werden. Es ist möglich, unbemerkt die Lautstärke temporär zu ändern oder eine andere Audio-Quelle zu wählen.

Programme der anderen

Benutzen Sie keine Programme, denen Sie nicht vertrauen können. Viele kleine Helferlein telefonieren nach Hause zu ihrem Herren, ohne dass Sie wissen, wer das ist, was die Programme übermitteln, noch, dass sie es überhaupt tun. Das betrifft ins Besondere Chat- und Such-Programme. Viele prominente Anbieter und Hersteller schießen mit der Analyse der Daten weit über das Ziel hinaus. So werden ganze Adressbücher, gesamte Nachrichten-Verläufe, Profile des Rechners samt Übersicht der installierten Programme und viele Details mehr ausgelesen und übertragen.

Ich werde es an dieser Stelle unterlassen, einzelne Programme zu nennen, weil der Eindruck entstehen könnte, es handele sich nur um die genannten.

Bluetooth

Wenn Sie es nicht unbedingt brauchen, schalten Sie es einfach aus. Falls doch, seien Sie sich sicher, dass Ihr Rechner nicht sichtbar ist und sie den „Gerätenamen“ in einen allgemeinen geändert haben.

Fazit

Trotz aller Sicherheitsmaßnamen sind diese nur Erschwernisse und nichts kann zu einhundert Prozent verhindern, dass Ihr Rechner angegriffen oder ausspioniert wird. Keine Anleitung kann den gesunden Menschenverstand ersetzen.


Quellen:

  1. Das auch sehr beliebte UNIX-Derivat LINUX lasse ich gerade bewusst außen vor, da ich davon ausgehe, das die Nutzer*innen dieses OS sich mehrheitlich mit ihrem System eh näher beschäftigen und Sorge tragen. 

  2. Komplette Verschlüsselung erst mit FileVault 2 ab Mac OS X Lion, davor nur für den Benutzer-Ordner 

  3. Diese Anleitung ist ursprünglich für die Teilnahme am 30C3 bestimmt. 

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